Landwirtschaft krisenfest machen statt Krisen verwalten!

AbL zur Herbst-AMK

Anlässlich der Herbstkonferenz der deutschen Agrarministerinnen und -minister des Bundes und der Bundesländer (AMK), welche diese Woche in Würzburg stattfindet, fordert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) agrarpolitisches Handeln, welches die Betriebe gerade nach diesem Dürresommer und erneut steigenden Kosten in ihrer Resilienz stärkt.

Martin Schulz, Bundesvorsitzender der AbL und Bauer aus Niedersachsen, sagt:

„Wir kommen aus einer Ernte, in der die Dürre erneut massiv zugeschlagen hat. Nun steigen erneut die Kosten für Betriebsmittel. Viele Betriebe sind verzweifelt und wissen nicht, wie es weitergehen kann. Eine zukunftsfähige Agrarpolitik muss aber mehr leisten, als mit kurzfristigen Hilfen Krisen zu verwalten. Sie muss den Rahmen dafür schaffen, dass Landwirtschaft vielfältig und resilient aufgestellt ist und für die nächste Generation Perspektiven bietet.” 

Mit Blick auf die Agenda der AMK kommentiert er:

“Gerade angesichts zunehmend knapper Haushalte müssen wir das Budget für die zukünftige GAP zunehmend gesellschaftlich erklären und sinnvoll einsetzen. Die neuesten Zahlen zeigen es: Programme wie die Ökoregelungen funktionieren, rund 70 % der Betriebe nutzen diesen Ansatz bereits. Das muss fortgeführt werden. Dafür braucht es eine GAP, die Klima-, Umwelt- und Tierschutzleistungen verlässlich und einkommenswirksam honoriert. Und dafür braucht es ein festes und jährlich steigendes Budget zur Honorierung gesellschaftlicher Leistungen. Die Basisprämie muss außerdem dringend weiterentwickelt werden. Die konsequente Ausdifferenzierung der Basisprämie ist der einzige Ansatz, um den Beschlüssen der Zukunftskommission Landwirtschaft zur perspektivischen Abkehr von der Basisprämie näher zu kommen. Für die Düngepolitik kann diese AMK wegweisend werden. Die Agrarminister*innen haben die Chance, endlich echte Weichen für eine verursachergerechte Düngepolitik zu stellen, in dem der Einzelbetrieb im Fokus steht, statt Pauschalhaftung in Roten Gebieten. Wir warnen gleichzeitig vor Lösungen, in denen ein Flickenteppich zwischen den verschiedenen Bundesländern entsteht. Beim Tierhaltungskennzeichnungsgesetz müssen die Agrarminister standhaft sein: Sie müssen gegen den Vorschlag aus Bayern stimmen, das Gesetz abzuschaffen. Wir brauchen die Kennzeichnung als einen wichtigen Schritt für den Umbau der Tierhaltung. Daher muss die Bundesregierung aufgefordert werden, das Gesetz zügig zu verbessern und dann zur Umsetzung zu bringen.“

Begleitet wird die AMK von einer Aktion der jungen AbL zum Thema “Wachsen oder weichen? Schmeckt uns nicht! – Junglandwirt:innen-Förderung und Klimaresilienz sind nötig für die Höfe von Morgen"

Tristan Billmann, Junglandwirt aus Mittelfranken und Vorsitzender der AbL Franken, erklärt:

„Für eine resiliente regionale Nahrungsmittelversorgung gerade in Zeiten der Klimakrise brauchen wir eine bäuerliche und kleinstrukturierte Landwirtschaft. Um diese zu erhalten und zu entwickeln, muss dringend die Situation für junge Menschen verbessert werden, die in die Landwirtschaft einsteigen oder, wie ich, die Hofnachfolge antreten.”

Lucia Birkmeir, Bäuerin aus Gempfing bei Donauwörth, Mitglied der jungen AbL und bei der AMK vor Ort, erklärt: 

„Wir haben gerade einen weiteren extremen Dürresommer hinter uns. Als junge Betriebsleiterin habe ich allein in den vier Jahren, die ich unseren Hof führe, zwei sehr extreme Jahre erlebt. Das macht Angst. Und dennoch wollen viele junge, motivierte Menschen Höfe übernehmen. Mein Appell an die Agrarminister ist daher klar: Unterstützen Sie diese mutigen Vorhaben, indem Sie Junglandwirt:innen in der Existenzgründung und dauerhaft fördern – mit einem Umsteuern weg von der ewigen Flächenförderung, durch welche viel bei wenigen landet, hin zu zielorientierter Förderung, etwa durch konzeptbasierte Existenzgründungsförderungen.“

Die Aktion zeigt die Zukunftsaussichten der Landwirtschaft im Jahr 2040: Sechs von zehn Plätzen am Tisch der Bäuer:innen sind leer, wenn das Höfesterben im aktuellen Ausmaß fortschreitet – die Zahl der Betriebe heute wird sich mehr als halbiert haben.

Fotos der Aktion können Sie ab ca. 10 Uhr hier finden. 

Hintergrund:

  • Vorschlag zur Ausgestaltung der verpflichtenden Ausdifferenzierung der zukünftigen Basisprämie – Stellungnahme der Verbändeplattform
  • Brief der AbL zur Herbst-AMK hier
  • Vorschlag mit sechs weiteren Jugendverbänden zur Ausgestaltung der Existenzgründungsprämie hier