Perspektiven schaffen

Die April-Ausgabe der Unabhängigen Bauernstimme ist da! Unter dem Titel „Perspektiven schaffen“ widmet sich der Schwerpunkt verschiedenen Wegen, wie bäuerliche Milchviehbetriebe zukunftsfester ihr Einkommen erwirtschaften können. Im Kommentar beschreibt Elmar Hannen, Milchbauern am Niederrhein, welche Chancen in einer aktiven Marktgestaltung liegen, bei der die Kosten für die Milcherzeugung eine untere Preisgrenze definieren. Dabei ist eine Milch-Vermarktung, die Bauern und Bäuerinnen an den Verhandlungstisch bringt, ein wichtiger Baustein. Einen Einblick in den Werdegang des ersten Drei-Parteien-Vertrags für Milch gab es auf der AbL-Milchtagung Anfang März. Dort berichteten die „Macher“ der Vertragsparteien der Bäuerinnen und Bauern sowie des Discounters Penny auch über die weiteren Aussichten. Als genossenschaftlicher Zusammenschluss von einem Großteil der Lieferanten der niedersächsischen Molkerei Elstorf haben es Milchviehhalter Volker Emshoff und seine Kollegen und Kolleginnen geschafft, innerhalb der letzten drei Jahre ihren Milchauszahlungspreis deutlich zu verbessern.

Neben dem Markterlös stellen auch Fördergelder einen weiteren Einkommensbestandteil der Milchviehbetriebe dar. Insbesondere bei einer Prämie für nachhaltige Kuhhaltung mit Weidegang sorgt das für eine Unterstützung bäuerlicher Praxis und honoriert gesellschaftliche Ansprüche. Dass solche Signale dringend notwendig sind, macht Milchbäuerin Dorothee Biermann aus dem grünlandreichen Sauerland sehr deutlich, wenn sie berichtet, dass auf den Wiesen rund um ihr Dorf mittlerweile nur noch ihre Kühe draußen zu sehen sind. Aktuell hat die Agrarministerkonferenz in Baden-Baden die genau Ausgestaltung der schon vom Bundestag beschlossenen Weideprämie auf der To-do-Liste, Mecklenburg-Vorpommern versucht aber noch Sand ins Getriebe zu streuen.

Einem kapitalen Branchenskandal widmet sich Marktbeobachter Hugo Gödde und beleuchtet die spärlich nach außen dringenden Informationen zu umdeklarierten Schlachtbullen des größten genossenschaftlichen Viehvermarkters, der Raiffeisen-Viehzentrale (RVZ). Gleichzeitig kam zuletzt aus der Fleischbranche vermehrt Kritik an der gesetzlichen Tierhaltungskennzeichnung und deren Kontrollmöglichkeiten auf – nun stellt sich die Frage, ob es die Branche mit ihrem QS-System so viel besser hinkriegt. Der Betrug bei der RVZ spricht nicht unbedingt dafür.

Auf europäischer Ebene gehen die Diskussionen zum Umgang mit den Neuen Gentechniken (NGT) in eine neue Phase über: Die EU-Mitgliedsstaaten haben Mitte März ihre Verhandlungsposition zu dem seit Sommer 2023 vorliegenden Gesetzesentwurf der EU-Kommission zu NGT-Pflanzen festgelegt. Damit haben sowohl EU-Rat als auch Europaparlament Stellung genommen. Das ist die Voraussetzung für den Beginn des Trilogs, des Einigungsprozesses zwischen den drei gesetzgebenden Institutionen. Während das EU-Parlament die Kennzeichnung von NGTs und zumindest eine Rückverfolgbarkeit durch Belege fordert, beschränkten sich die EU-Staaten vor allem auf Fragen des Patentrechts. Der Kampf um das Recht auf gentechnikfreie Erzeugung wird also auf nächster Ebene weitergehen müssen.

Die April-Ausgabe der Unabhängigen Bauernstimme.