Die „Ohne Gentechnik“ und Bio-Kennzeichnung von Lebensmitteln dürfte durch die EU-Deregulierung für Neue Gentechnik (NGT) in Zukunft noch wichtiger werden. Landwirtschaft und Lebensmittelbranche können und werden die mit den neuen Regeln verbundenen Herausforderungen bewältigen, so das Fazit des Non-GMO Summit 2026 wie der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) mitteilt.
Über 120 Vertreter:innen aus Lebensmittelwirtschaft, Wissenschaft, Laboren, Marktforschung, Recht, Behörden, Verbänden und Medien aus 14 Ländern haben sich am 13. Mai 2026 in Frankfurt bei der internationalen Branchenkonferenz über die Zukunft von „Ohne Gentechnik“ im Vorfeld der anstehenden EU-Deregulierung für „Neue Gentechnik“ (NGT) ausgetauscht.
„Verbraucherinnen und Verbraucher wollen Transparenz“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) in seinem Video-Grußwort zur Eröffnung der Konferenz. Die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung habe sich als verlässliches Instrument etabliert und sei wichtiger Bestandteil eines verantwortungsvollen Marktes. Nach Rainers Auffassung können die „hohen Kennzeichnungs- und Rückverfolgbarkeitsstandards“ von „Ohne Gentechnik“ auch nach der NGT-Deregulierung Bestand haben. Dafür brauche es „verlässliche Nachweisverfahren, damit Kontrolle und Vertrauen weiterhin gewährleistet sind“. In seinem Grußwort erklärte der Minister auch: „Die Besorgnis der gentechnikfreien, konventionellen und ökologischen Lebensmittelerzeugung vor ungewünschten Verunreinigungen haben wir als Bundeslandwirtschaftsministerium in den Verhandlungen sehr ernst genommen. Wir haben um Lösungen gerungen, um auf europäischer Ebene einen gesellschaftlich akzeptierten Umgang mit den neuen genomischen Techniken zu erreichen und den Weg für die Anwendung von NGT-Pflanzen in der Landwirtschaft zu ebnen. Ich bin überzeugt, dass wir Innovationen ermöglichen können, ohne die hohen Kennzeichnungs- und Rückverfolgbarkeitsstandards der Ohne-Gentechnik-Produkte zu gefährden.“
Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), Staatssekretärin im österreichischen Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, kritisierte die geplante Abschaffung der Pflichtkennzeichnung für einen Großteil der künftigen Gentechnik-Produkte: „Dieser Mangel an Kennzeichnung schränkt die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher stark ein“. Österreich hat auf EU-Ebene deshalb gegen die Deregulierung gestimmt.
Der stellvertretende Minister für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft der Ukraine Taras Vysotskyi kündigte umfassende Reformen der ukrainischen Gentechnik-Regulierung an. Ziel sei eine vollständige Anpassung an europäische Standards. Die Ukraine wolle sich langfristig als verlässlicher Lieferant gentechnikfreier Agrarprodukte für Europa etablieren.
„Dieser Summit hat klar gezeigt, dass die Haltung der Verbraucher:innen zu NGT eindeutig ist: Eine große Mehrheit will sie nicht auf dem Teller haben, und fast alle wünschen sich eine klare Kennzeichnung. Perfekte Ausgangsbedingungen für eine Branche, die genau diesen Verbraucheranforderungen gerecht wird. Wenn NGT-Weizen, -Gerste oder -Bananen ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen, bin ich gespannt, wer als Erster das ,Ohne Gentechnik“-Siegel auf seinem Brot, Bier oder seiner Babynahrung nutzen wird“, so VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting. „Dafür brauchen wir die entsprechenden praktikablen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die wir gerne zusammen mit der Politik erarbeiten werden. Wir freuen uns über die angekündigte Unterstützung dabei.“
In einer Reihe von Vorträgen und Diskussionsrunden mit Praktiker:innen und Expert:innen aus Lebensmittelwirtschaft, „Ohne Gentechnik“ und Bio-Verbänden, Behörden, Recht, Nachweis- und Marktforschung machte der Non-GMO Summit 2026 laut der VLOG-Mitteilung nochmals deutlich, dass die bevorstehende NGT-Deregulierung die Bio- und die „Ohne Gentechnik“-Branche vor große Herausforderungen stellen wird, und zeigte auf, dass und wie sie bewältigt werden können.
Unter anderem wurden laut den Veranstaltern erste Konzepte der „Ohne Gentechnik“-Verbände zur notwendigen Adaptierung der aktuellen Systeme für den Ausschluss der Verwendung von NGT vorgestellt, es gab spannende Einblicke in den Stand der Entwicklung von NGT-Nachweisverfahren, eine juristische Einschätzung zu Koexistenzregeln für NGT sowie neue Marktforschungsergebnisse zu Verbraucher:innenerwartungen zu NGT.
Der International Non-GMO Summit 2026 wurde von den Verbänden European Non-GMO Industry Association (ENGA), Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG), ARGE Gentechnik-frei, Donau Soja und ProTerra Foundation gemeinsam durchgeführt.
Weitere Informationen zum Programm, zu Sprecher:innen und Podiumsteilnehmer:innen finden sich hier, einen Videoaufzeichnung des Summits auf LinkedIn findet sich für den Vormittag hier und den Nachmittag hier.



